Der Umgang mit Stress: Wie wir von Spitzensportlern lernen können

Leichtfüßig, galant, humorvoll und kenntnisreich – Professor Hans-Dieter Hermann hat sich für den FC09 und die Volksbank Kur- und Rheinpfalz als herausragende Wahl erwiesen. Mit einem kurzweiligen Vortrag nahm der habilitierte Sportpsycholge der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft die rund 300 Zuhörer in der Stadthalle mit auf eine Reise in die Welt des Spitzensports. Eingeladen hatten Volksbank und FC09 unter anderem zur Erinnerung an der 10-jährige Bestehen des 2009 aus VfR und FV Speyer fusionierten Fußballvereins. Vorsitzender Thomas Zander warb vor den Besuchern in der Stadthalle um Unterstützung für den aufstrebenden Verein, der mehr biete als nur Fußball. Der FC09 sei zur auch im sozialen Bereich relevanten Kraft in Speyer geworden. Hausaufgabenbetreuung und weitere Engagements wirkten die in die Gesellschaft in der Domstadt.

Stress – alles kreiste an diesem Abend um das Phänomen, das in einer immer schnelllebigeren Gesellschaft ins Zentrum der Medizin gerückt ist. Stress – das wurde einmal mehr klar – ist einerseits notwendig um Spitzenleistungen abzuliefern, kann andererseits aber auch sehr krank machen. Die Analyse des Wissenschaftlers ist eindeutig. Stress entsteht im Kopf jedes einzelnen Menschen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Für den einen bedeutet es den absoluten Stress, mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug zu springen, für den anderen ist es einfach nur ein geiles Gefühl.

 

Zur Beruhigung: Umgang mit Stress ist erlernbar. Spezielle Atemtechniken, Selbstsuggestion und die Kraft der Visualisierung sind Techniken, um mit großer Anspannung umzugehen. Was der Spitzensportler aus seinem täglichen Tun kennt, kann auch für den „Otto-Normalverbraucher“ hilfreich sein. Schließlich ist heute jeder bestimmten Stressoren ausgesetzt. Hermann nannte die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft oder das Warten in Schlangen an der Kasse oder im Stau. Der größte Stressauslöser des Menschen seien aber körperliche Einschränkungen. Stress beruht letztlich immer auf der subjektiv unterschiedlichen Einschätzung einer bestimmten Situation. Hinzu kommt bei Sportlern die Fallhöhe, denn es stelle einen Unterschied dar, vor 80000 Menschen in einem Fußballstadion zu stehen. Mental starke Persönlichkeiten profitierten von einem größeren Selbstwertgefühl, das vor allem durch intakte persönliche Beziehungen. Ein harmonisches Umfeld sei auf jeden Fall geeignet zur Stressprävention.

Trotz seiner umfassenden Kompetenz, konnte Hermann das Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2018 in Russland nicht verhindern. Er nannte Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer, die während er WM 2014 sehr gut nach Innen gewirkt hätten und für die Stimmung im Team wichtig gewesen seien.

Übertragen lassen sich die Lehren des Abends auch in andere Konstellationen. Volksbank-Vorstandssprecher Dirk Borgartz nannte ebenfalls gute Teamarbeit als wichtigstes Konstrukt beim Lösen von Problemen. FC09-Trainer Ralf Gimmy, nach dem Vortrag ebenfalls mit auf dem Podium, nannte den psychologischen Aspekt auch in der Arbeit mit einer Verbandsligamannschaft als ultimativ wichtig. So gab es herzlichen Applaus, als die drei die Bühne verließen.