DFB-Präsident Grindel: „FC09 höchst ungewöhnlich“

Ein erstaunter DFB-Präsident Reinhard Grindel präsentierte sich am Mittwochabend auf dem Vereinsgelände des inzwischen 1000 Mitglieder zählenden FC Speyer 09. Die Tatsache, dass ein großer Teil der im Verein tätigen Trainer mit einer Lizenz ausgestattet ist, rang dem gebürtigen Hamburger sichtbar Bewunderung ab. Das unterscheide den FC09 von vielen anderen und sei „höchst ungewöhnlich“,  sagte Grindel, der früher als Journalist gearbeitet hat  und acht Jahre lang Vorsitzender eines Landesligavereins war, zu Beginn seines dreistündigen (!) Aufenthalts. Top-Themen waren Ehrenamt, Integration, Finanzen und Zuschauerzahlen im Amateurbereich.

Gekommen war Grindel, heute immerhin einer der mächtigsten Sportfunktionäre der Welt, in einer Phase seiner Amtszeit, in der der internationale Fußball und die dazugehörigen Verbände an vielen Fronten  mit Korruptionsverwürfen und Kommerzkritik konfrontiert ist. In den Vordergrund seiner Visite in Speyer, die der Bundestagsabgeordnete und aktuelle CDU-Direktkandidat  Johannes Steiniger eingefädelt hatte, stellte Grindel aber die Themen, die die etwa 25.000 Amateurvereine in Deutschland vorrangig beschäftigen. Mit einigen dieser Themen ringt auch der FC09. Finanzvorstand Jürgen Doser brannten etwa die bis zu 1500 Euro auf den Nägeln, die der Verein jährlich an Gebühren für Spielverlegungen und teilweise nicht nachvollziehbaren Strafen bei vergleichsweise geringen Regelverstößen berappen müsse. Davon könne er eigentlich zwei Jugentrainer eine Saison lang bezahlen, so Doser. Vorsitzender Thomas Zander schilderte, dass der Verein mit seinen insgesamt 33 Mannschaften nun eine Warteliste im Nachwuchsbereich habe, weil man an räumliche Kapazitätsgrenzen stoße. Gleichzeitig wies er auf das Entwicklungspotenzial des Vereins hin, sollte es eines Tages auch eine bauliche Lösung für das Jugendförderzentrum geben. FC09-Jugendvorstand Helmut Back sprach den Präsidenten auf Probleme mit dem Medien-Portal des DFB an. Nicht zuletzt war der Interessenkonflikt zwischen großer Sky-Fußballbühne und lokaler Bezirksklasse am Sonntagnachmittag Thema.

Grindel hörte sich das an, Hoffnungen auf einschneidende Veränderungen machte er aber nicht.  Die Fußballübertragungen in Sky sehe er als weniger relevant für die Zuschauerzahlen in der Verbandsliga, sagte er. Vielmehr gebe es zuschauermäßig  ein klares Stadt-Land-Gefälle, wie er anhand  eigener Beobachtungen in der Oberliga Südwest festgestellt habe. Grindel gab sich volksnah. Hörbar am Herzen liegt im die Jugend: Insofern war er insbesondere an der Arbeit von „Anpfiff ins Leben“ interessiert. Grindel hakte nach, als Anpfiff-Chef Dietmar Pfähler vortrug, wie die Stiftung beim FC09 an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf arbeitet.  Kinder und Jugendliche müssten Freude an ihrer Ausbildung zu Fußballern haben, sagte Grindel. Daran hätten Trainer und Übungsleiter entscheidenden Anteil: „Die Erinnerung an meinen ersten Trainer ist ausgeprägt. Im Gegensatz zu der Erinnerung an meine erste Schullehrerin“, so der DFB-Präsident.

Etwas mehr finanzielle Unterstützung für die  Vereine stellte Grindel  mit Blick auf den neuen DFB- Ausrüstervertrag mit Adidas in Aussicht, der am 1. Januar 2019 in Kraft treten soll. Wichtig war dem DFB-Präsident vor und 60 Zuhörern im Clubheim des FC09 die Aussage, dass sein Verband heute mehr Dienstleister für seine Vereine sei als jemals zuvor.

Ein Thema, dem Grindel im öffentlichen Zwiegespräch mit Steiniger viel Raum gab, ist der Bereich der Flüchtlingsintegration. Er schilderte die Schwierigkeiten, die Herkunftsverbände beispielsweise syrischer Fußballer zu kontaktieren und lobte die Bemühungen vieler kleiner Vereine, die sich um Integration bemühten. Was daraus entstehe, machte er an der aktuellen deutschen Nationalmannschaft fest: Er nannte namentlich Jerome Boateng, Sami Khedira, Mehmet Özil, Shkodran Mustafi und Leroy Sané.

FC09-Vorsitzender Thomas Zander dankte dem höchsten Mann im deutschen Fußball um 20.30 Uhr für seinen Besuch.Grindel will an solchen Veranstaltungen festhalten. Sehr viele DFB-Präsidenten hatte der Speyerer Fußball bisher jedenfalls nicht gesehen. Insofern eine Ehre für den FC09 …

Text: Stephan Alfter / Fotos: Manfred Kniza/Matthias Richter