„Ich dachte, das wird nichts“

Die A2 des FC Speyer 09 hat am den Kreispokal gewonnen und damit nach der Meisterschaft den Doublesieg perfekt gemacht. An entscheidender Stelle haben Trainer Gernot Gaisser und Kapitän Sebastian Heupel dazu beigetragen. Unser Jugendspieler Julian Braun hat beide für die Homepage interviewt.

Julian Braun: Erst einmal Glückwunsch zum Doublesieg! Noch ordentlich gefeiert im Musikpark in Ludwigshafen.

Gaisser: (beide müssen schmunzeln)… ein wenig.

Heupel: Von der Spielerseite aus vielleicht ein wenig mehr.

Braun: Perfekt! Lasst uns zum Thema kommen. Was bedeutet euch dieser Erfolg persönlich?

Gaisser: An erster Stelle steht für mich ganz klar die persönliche und sportliche Entwicklung meiner Spieler. Der Erfolg kommt dann von ganz allein.

Heupel: Ich hatte mir gewünscht in meiner letzten Jugendsaison noch einmal den größtmöglichen Erfolg zu haben. Das ist uns mit einer geilen Truppe mehr als gelungen.

Braun: Ist der Doublesieg für dich als Trainer der größte Erfolg deiner Karriere?

Gaisser: Absolut. Klare Nummer eins. Vor allem die Art und Weise.

Braun: Wenn man sich jetzt einmal den Saisonverlauf anschaut. Mit drei frühen Niederlagen in der Hinrunde lag das von Vereinsseite aus proklamierte Ziel, der Aufstieg, ja doch in weiter Ferne. Inwiefern war die Entwicklung vor allem in der Rückrunde überraschend?

Gaisser: Damit zu rechnen war nicht, aber ich war guter Dinge, da die Mannschaft wirklich anfing, sich zu finden.

Heupel: Also ich muss ganz klar zugeben, dass ich nach dem ersten Saisonspiel dachte: Das wird nichts!

Braun: Du meinst das 6:5 gegen Freinsheim.

Heupel: Genau. Wir hatten nie zusammengespielt, kannten uns nur vereinzelt und mussten uns erst kennenlernen. Die Rückrunde war dann einfach nur noch genial.

Braun: In der Anfangsphase hast du, Gernot, auch immer wieder mit dem Gedanken gespielt, hinzuschmeißen, und hast das ja auch öffentlich zur Mannschaft getragen. Was waren die Gründe und war das eine realistische Option oder mehr ein Druckmittel?

Gaisser: Primär ein Druckmittel. Die Trainingsbeteiligung war mehr als frustrierend, Disziplin war kaum vorhanden und es brauchte drastische Mittel.

Braun: Im Nachhinein zu früh zu drastisch?

Gaisser: Ich hatte kaum andere Optionen, da mir auch, was die Anzahl der Spieler anging, die Hände gebunden waren. Damit zu drohen, dass Trainingsfaule nicht spielen war oft nicht möglich.

Heupel: (zustimmendes Nicken) …dann hätten manchmal noch acht Spieler auf dem Feld gestanden.

Braun: Von der Spielerseite aus, Sebastian. Am Anfang gab es ja enorme Schwierigkeiten auch bezüglich des Mannschaftsgefüges. Wann habt ihr gemerkt, dass da was zusammenwächst?

Heupel: Ich würde, wenn ich so darüber nachdenke sagen, dass es nach der 3:0-Niederlage daheim gegen Schifferstadt besser wurde. Der Ernst der Lage wurde vielen erst zu diesem Zeitpunkt bewusst, da wir komplett chancenlos waren. Danach ging es auch menschlich stetig bergauf.

Braun: War vielleicht auch der Pokalsieg gegen den ligahöheren JFV Vorderpfalz eine Art Brustlöser? Immerhin kann man den 3:1-Sieg als erste wirklich gute Performance der Mannschaft bezeichnen.

Gaisser: Eher als Aha-Erlebnis. Der Glaube an die eigene Stärke war jetzt endlich da.

Braun: Der 1:0-Auswärtssieg in Schifferstadt war dann auch der Moment, als der Aufstieg realistisch wurde?

Gaisser: Die Mannschaft hat einen enormen Willen an den Tag gelegt und ja, ab dem Zeitpunkt wussten wir, es liegt jetzt an uns.

Heupel: Dass wir dann am letzten Spieltag Meister geworden sind war dann natürlich die Krönung.

Braun: Wenn wir jetzt so das pure Sportliche verlassen. Die Saison war mehr als nur turbulent. Der Tod Abeds, die schwere Verletzung Marcs, der Verlust Ingos als Co-Trainer und Spielverlegungen ohne Ende. Auf der anderen Seite tolle Momente mit dem Doublesieg als Abschluss. Versucht mal ein Adjektiv zu finden, das diese Saison beschreibt.

Gaisser: Von holprig zu geschlossen würde ich am Ende als Fazit ziehen, unglaublich was wir erlebt haben. Die Jungs haben dann auch gemerkt, dass Fußball nicht alles ist und sich immer mehr zusammengeschweißt.

Heupel: Insgesamt muss man sagen, dass die Saison einfach unberechenbar und überraschend war, positiv und negativ. Schlussendlich überwiegt dann aber das Positive.

Braun: Damit bedanke ich mich bei euch für eure offenen und ehrlichen Antworten. Viel Erfolg dir Gernot in der B2 und dir Sebastian in der zweiten Mannschaft nächste Saison.